Gedanken am 16. September

Träume sind die Sprachrohre, durch die das Unbewußte uns
die ungeschminkte Wahrheit mitteilt. Die psychischen
»Zensoren«, die im Wachzustand unablässig unsere Gedanken
und Gefühle entstellen (damit wir vor uns selbst gut
dastehen und uns »anständig« fühlen) sind im Schlaf außer
Kraft gesetzt. Das Traumselbst ist von einer brutalen Offenheit,
aber es hat auch viel Sinn für Humor, was seine Offenbarungen
für uns erträglicher macht. Einmal träumte ich von
einem Kollegen, zu dem ich eine problematische Beziehung
hatte. Er war ins Krankenhaus gekommen, um sich bestimmten
Tests zu unterziehen, und hockte zu diesem Zweck
auf einem Podest. Als er aufstand, ließ er einen großen
buddhaförmigen Haufen Kot zurück. Ich atmete erleichtert
auf und sagte: »Gott sei dank war er also doch nicht krank: Er
war nur bis oben hin voll von Scheiße.« Ich schrieb den
Traum auf, ohne mir viel dabei zu denken, und erst später, als
ich völlig wach war, ging mir der derbe Doppelsinn auf. Da
jede Traumgestalt einen Teil von uns selbst darstellt, lautete
die Botschaft meines Unbewußten, daß ich meine eigene
»spirituelle Scheiße« erkennen und mir ein paar ernste Gedanken
über Bescheidenheit und Demut machen mußte. Es
war viel leichter, das lachend zu tun, als wenn ich auf eine
andere Weise auf meine Selbstgerechtigkeit hingewiesen
worden wäre!
Templerarbeit:
Verweile für ein paar Minuten im Gebet der Sammlung oder in
der Shamatha-Vipassana-Meditation. Hast du dich heute an
einen Traum der vergangenen Nacht erinnert? Wenn ja, durchdenke
ihn jetzt noch einmal, während du dich noch im meditativen
Zustand befindest – einem Zustand, in dem Bewußtsein und
Unbewußtes ineinander übergehen und sich miteinander vermischen.
Wenn du deinen Traum als einen Weckruf deines Höheren
Selbst betrachtest, was glaubst du dann, was es dir zu sagen
versucht?

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